Monatsarchive: Juli 2011

Eine Woche ohne Jill…

Wenn man sich für ein Tier entscheidet, weiß man eigentlich, welche Lebenserwartung dieses Geschöpf hat und dass man nur eine begrenzte Zeit miteinander verbringen kann. Doch das ist trockene Theorie, denn vor 9 Jahren konnte ich mir nicht mal ansatzweise vorstellen, wie schwer der Abschied sein wird. So ein Tier wird zu einem Familienmitglied… Man zieht es auf, bringt ihm einiges bei und sogt sich, wenn es ihm nicht gut geht. Belohnt wird man mit bedingungsloser Treue und Zuneigung….. und möchte sein Tier darum auch nie leiden sehen….

Vielleicht ist  das aber auch genau der Punkt, warum ich so traurig bin. Unser Tierarzt hat zwar die vereiterte Gebärmutter (Pyometra) bei Jill erkannt, doch nicht den Blutkrebs. So frage ich mich natürlich, ob man Jill nicht die OP der Kastration hätte ersparen und sie eher hätte erlösen können. Immer wieder sehe ich mein Schneckchen vor mir, wie sie röchelte, doch dann ganz friedlich einschlief, während ich sie streichelte…

….und es wird sicher noch eine ganze Weile dauern, bis ich mich daran gewöhne, dass sie mir nicht mehr auf Schritt und Tritt hinterher läuft…

 

Die Zeit danach…

Heute ist der 23. Juli 2011 und es sind schon über 24 Stunden vergangen, seitdem Jill nicht mehr bei uns ist…

Es geht mir  immer noch so viel durch den Kopf, und ich kann meine Gedanken kaum ordnen…

Darum hoffe ich, dass man mir relativ große Gedankensprünge verzeiht…

Einerseits bin ich froh, dass Jill erlöst ist, doch andererseits vermisse ich sie so sehr… Mir tut es aber auch unendlich leid, dass es ihr zuletzt bereits so schlecht ging, denn genau das wollte ich ihr immer ersparen.

Hinzu kommt die Frage, warum unser hiesiger Tierarzt nicht erkannt hat, wie schlecht es um sie steht…….

Insofern war es wohl fast schon Glück im Unglück, dass er am Mittwoch nicht in der Praxis war und wir in die Tierklinik fahren mussten. Uns fiel sofort auf. dass man dort wesentlich gründlicher untersuchte. Warum diagnistiziete unser Tierarzt nur einen Tag vorher lediglich einen verhärteten Bauch? Warum erkannte er 24 Stunden vorher nicht die vergrößerten Lymphknoten, die man in der Tierklinik sofort ertastete?  Stattdessen bekam Jill nochmals einen Einlauf verordnet und Vitamine gespritzt.

Sicher hätte unser hiesiger ‚Tierarzt Jill auch nicht mehr heilen können, doch er hätte ihr Leiden verkürzen können. In der Tierklinik sagte man uns, dass die bei der OP entfernte vereiterte Gebärmutter  nur die Spitze des Eisbergs gewesen sei…

Neben meinem Computerschreibtisch hier oben im 2. OG liegt immer noch Jill’s Hundebett, doch es ist nun leer, aber ich bringe es einfach noch nicht fertig, alles von Jill sofort wegzuräumen….

…und wir haben auch überlegt, was nun werden soll. Wir möchten natürlich wieder einen Hund, wissen aber inzwischen, dass nicht nur jeder Mensch einmalig ist, sondern auch jeder Hund. Insofern wäre der nächste Hund kein ‚“Ersatz“ für Jill, aber vielleicht ein Trost mit ganz neuen Charaktereigenschaften, die man ebenso lieben lernt.

Im Internet fand Norbert heute eine Homepage von Züchtern, wo vor 5 oder 6  Wochen Sharpei-Welpen geboren wurden, zwei helle Hündinnen, und die Fotos bringen sicher das Herz eines jeden Hundeliebhabers zum Schmelzen …. Doch man erfährt auf dieser Webseite weder etwas über die Züchter und auch nichts über die Herkunft der Elterntiere…

Jeder seriöse Züchter offenbart sich und lässt auf seiner Homepage keine Frage unbeantwortet…

Nachdem ich Jill’s Züchter  schon vor einigen Tagen über die Geschehnisse der letzten Zeit informiert hatte, rief ich gestern Abend nochmals  an… Leider erreichte ich ihn nicht, doch heute rief er am Vormittag zurück. Wir haben lange geredet… Auch verstärkte er mein Misstrauen gegenüber „Züchtern“, die zwar süße Welpen haben, doch auf ihrer Webseite keine Informationen über die Herkunft der Elterntiere geben.

Im Laufe unseres langen Telefonats wurde mir dann auch klar, dass es wahrscheinlich gar nicht gut wäre, nur wenige Tage nach Jill’s Tod um jeden Preis einen neuen Hund ins Haus zu holen, obwohl Uwe auch der Meinung ist, dass man den Verlust am besten durch einen neuen Hund überwindet….

Norbert sagte schon seit  einiger Zeit, dass der nächste Hund ein Mops sein soll, grinste dabei immer, denn seit  dem Film „Men in Black 2“  findet er diese Rasse einfach nur drollig und liebenswert.

Mag ja auch sein, doch als ich das irgendwann der Hundephysiotherapeutin Nicole erzählte, war sie ganz erschrocken und riet uns ab, weil diese Rasse einfach zu viele gesundheitliche Probleme hat. Ich weiß, dass auch die Rasse des Sharpei von vielen Vorurteilen behaftet ist,doch Jill hat diese nie bestätigt. So musste ich weder ihre Falten „behandeln“ noch musste ihr Gesicht geliftet werden

…. und als einmal während der Urlaubszeit die Vertretung unseres Tierarztes Jill als „Baustellenhund“ bezeichnete, war ich stinksauer und hatte mir damals  schon überlegt, ob ich diese Praxis überhaupt noch einmal betrete….

An Norberts trockenen Humor dagegen habe ich mich nach nunmehr 11 Jahren langsam gewöhnt,….

Auch er vermisst Jill sehr, doch möchte wieder einen Hund, der fast genauso aussieht, vor allem die helle Farbe…

Doch mittlerweile frage ich mich, ob das gut wäre. Man würde doch im Gesicht immer nach Ähnlichkeiten zu Jill suchen, die es genauso wenig gibt, wie bei den Menschen…

… doch dann kam heute eine Wende….

…denn während ich mit Jill‘s Züchter telefonierte und Norbert aufgrund des eingeschalteten Raumtones mithören konnte, erfuhren wir, dass ein weiterer Deckakt vielleicht noch im Sommer stattfindet. Für uns hieße das, dass wir (vielleicht kurz vor Weihnachten) ein neues Familienmitglied haben werden..

Uns ist ein Hund aus Uwes Zucht auch viel lieber als von unbekannten Züchtern,, denn in den 9 Jahren, die Jill bei uns war, war Uwe jederzeit für uns da. Hatten wir Sorgen,  reichte ein Anruf…

Sicher ist jetzt Leere da,  doch ich habe in den letzten 24 Stunden auch erkannt, dass ich die Trauer um Jill erst verarbeiten muss und ich meine Trauer nicht „betäuben“ kann, indem ich mir wenige Tage nach Jill‘s Tod ein neues Tier ins Haus hole…

 

Abschied von Jill

Heute früh rief die Tierklinik an, denn der Befund von der Lymphpunktion war bereits da…

Es gab keine gute Nachrichten… Der Verdacht auf  Krebs (Leukämie) wurde durch den Befund bestätigt. Zudem erfuhr ich, dass sich Jill’s Zustand weiter verschlechtert hat.

Wir fuhren in die Tierklinik, um Jill erlösen zu lassen und uns von ihr zu verabschieden. Als man Jill ins Sprechzimmer holte, war ich einfach nur geschockt. Meine einst so fröhliche kleine Schnecke konnte sich kaum noch auf den Beinen halten und ihre Atmung war ein lautes Röcheln. Sie freute sich zwar, dass Frauchen und Herrchen gekommen waren, doch selbst das Freuen fiel ihr schon schwer. Man fragte uns, ob wir noch eine Weile mit ihr verbringen möchten, bevor wir sie gehen lassen. Bei mir kullerten unaufhörlich die Tränen, und auch Norbert griff immer wieder zum Taschentuch. Man hätte uns alle Zeit der Welt gegeben, doch ich konnte es einfach nicht ansehen, wie schlecht es Jill ging. Ich bat darum, dass wir sie gehen lassen, und so bekam sie zuerst ein Beruhigungsmittel und dann eine Überdosis eines Narkosemittels. Ganz ruhig schlief sie ein… Während dessen streichelte ich sie die ganze Zeit und sagte ihr immer wieder, wie lieb ich sie habe und wie dankbar ich für die Zeit mit ihr bin….

Es dauerte nur wenige Minuten, und gegen 11:15 Uhr war Jill von ihrem Leiden erlöst…. Die Ärztin und ihre Assistentin waren sehr nett und einfühlsam. Auch als Jill eingeschlafen war, drängelte man nicht, denn noch immer streichelte ich meine kleine treue Seele….

Doch dann kam von der Ärztin die Frage, ob wir Jill’s Leichnam mitnehmen möchten oder dort lassen wollen. Eigentlich habe ich früher immer daran gedacht, dass Jill ihre letzte Ruhe einmal in unserem Garten finden wird. Ich konnte jedoch auf die Frage der Ärztin keine Antwort geben, denn vor mir lag nur noch Jill’s Hülle, aber nicht mehr mein Schneckchen, darum fragte ich Norbert, wie wir entscheiden…

Wir sind ohne Jill’s Körper nach hause gefahren, denn ich war mit meinen Nerven am Ende und weiß nicht, ob und wie ich eine Beerdigung in unserem Garten verkraftet und überstanden hätte.

Ich weiß nicht, ob es die richtige Entscheidung war, aber im Herzen ist sie bei uns, denn vergessen werden wir sie ohnehin nie… Jill war einmalig, und kein anderer Hund wird sie jemals ersetzen…

Letztes Foto von Jill…

…kurz, bevor wir vorgestern in die Tierklinik fuhren…

Geblieben sind nun Traurigkeit, aber auch Dankbarkeit…

Jill,

danke, dass du 9 Jahre bei uns warst und unser Leben so unendlich bereichert hast!

Danke, dass du  mir gezeigt hast, was bedingungslose Treue ist! Ich habe viel von dir gelernt…

Danke, dass du in der schwersten Zeit meines Lebens an meiner Seite warst. Seit Janas Tod warst du mein Kind, hast mich mit deinem lieben Wesen oft getröstet, und ich war immer froh, dass es dich gibt….

Danke, dass du gekämpft hast, doch deine Kraft reichte nun nicht mehr…

Danke für die Zeit mit dir…

…und vergessen werde ich dich ebenso wenig wie Jana…

 

Es tut immer gut….

…wenn man Anteilnahme erfährt, und so möchte ich mich ganz herzlich für die lieben Zeilen in den Kommentaren zum gestrigen Beitrag bedanken.

Heute kann ich keine Neuigkeiten mitteilen, weder positive noch negative…. Heute früh rief ein Arzt an, um für die Punktierung von Jill’s Lymphknoten mein Einverständnis zu bekommen, was ich gestern abgelehnt hatte, weil die Ärztin mir keine große Hoffnung machte.

Doch er legte mir nah, dass man aufgrund dieses Befundes eher eine Diagnose stellen und dann erst entscheiden kann, ob und welche Behandlung noch möglich wäre.

Ich konnte also nicht anders, als der Punktion der Lymphknoten zuzustimmen, doch bis der Befund da ist, wird es  einige Tage dauern….

Heute Abend habe ich dann mal bei Jill’s Züchter angerufen und ihn informiert. Er ist ja glücklicherweise keiner von denen, die ihre Welpen nur abgeben und sich danach nicht mehr für die Hunde interessieren…. So telefonierten wir sehr lange, und ich werde ihn auch über den weiteren Verlauf informieren…

Nach gut zwei Wochen schlafe ich nun zwar nicht mehr auf der Wohnzimmercouch, sondern wieder im Schlafzimmer im 1.OG,  doch glücklicher bin ich darum nicht, im Gegenteil, denn das leere Hundebett im Schlafzimmer macht mich unendlich traurig….

 

Abschied….?

Meine Gedanken fahren Achterbahn….

Gestern waren wir nochmals beim Tierarzt, weil Jill immer noch nicht frisst. Sie bekam nochmals eine Infusion und einen Vitamin-Cocktail gespritzt. Da ihr Bauch angespannt und verhärtet war, bekam ich nochmals ein Klistier (Einlauf) mit, den ich ihr dann zu hause verabreichte. Doch obwohl sich Jill’s Darm daraufhin auch gut entleerte und ich hoffte, sie wurde nicht munterer, sondern immer apathischer. Sie lief nicht mehr munter im Garten in ihre Gassi-Ecke, sondern lief langsam, und ich hatte immer mehr das Gefühl, dass ihr jeder Schritt schwer fällt…

Meine Sorgen wurden dadurch natürlich nicht  weniger,,,,,

Heute besuchte uns am späten Vormittag wieder Hundephysiotherapeutin Nicole, und sie war echt erschrocken, als sie sah, wie dünn Jill geworden ist. Nicole hatte ihren Hund Mogli (ein Jack Russel) dabei, doch auch ihre Versuche, Jill nochmals per Futterneid zum Fressen zu bewegen, schlugen fehl. Jill nahm nicht einmal mehr die leckeren Entenfilet-Streifen, für die sie sonst ganz aufgeregt Pfötchen hob. Auch für Mogli interessierte sie sich kaum noch und legte sich unter den Küchentisch.

Da war sogar Nicole ratlos…

…aber sie riet mir auch, auf jeden Fall Jill heute noch einmal beim Tierarzt vorzustellen, denn Jill’s Bauch erschien ihr aufgebläht, und sie empfahl, dass nochmals ein Ultraschall gemacht wird.

So rief ich beim Tierarzt an, doch musste leider erfahren, dass der Doktor mittwochs nicht da ist und die Ärztin erst im September einen Lehrgang für Ultraschal-Diagnostik macht. Sie empfahl mir in die Tierklinik zu fahren, was wir dann auch taten.

Wir haben von unserem Wohnsitz aus zwei Möglichkeiten: die Tierklinik der FU Berlin oder die Tierklinik in Potsdam. Wir entschieden uns für Potsdam, zumal diese Klinik einen sehr guten Ruf hat.

Nachdem wir einer sehr netten Tierärztin Jill’s Krankheitsverlauf geschildert hatten, rief ich mit meinem Handy in unserer hiesigen Tierarztpraxis an und übergab der Ärztin das Telefon, damit sie noch notwendige Details abfragen konnte. Danach untersuchte sie Jill sehr gründlich, doch bemerkte auch sofort, in welch bedrohlichem Zustand sich Jill befindet. Jill’s Temperatur war leicht erhöht, ihr Zahnfleisch zu hell (was rosa sein müsste), und beim Abtasten stellte die Ärztin fest, dass mehrere Lymphknoten vergrößert sind… und dann musste ich unterschreiben, dass Jill über Nacht in der Klinik bleibt, weil man Blutuntersuchungen machen will, sie dann aber auch über Nacht an eine Venentropf anschließen würde.

Gegen 20 Uhr sollte ich anrufen und nachfragen… doch schon vorher klingelte mein Telefon, denn das Ergebnis des Blutbilds ist alles andere als beruhigend… Die Leukozyten sind extrem hoch und die Leberwerte sehr schlecht. Nach dem Telefonat kullerten bei mir die Tränen…

…..und gegen 22 Uhr sollte ich dann nochmals anrufen, wenn noch der Ultraschall gemacht wurde… aber auch dieses Telefonat brachte keine Erleichterung…

…und wie in Trance hörte ich mir an, was man festgestellt hat…. Immer wieder hörte ich Begriffe wie bösartig, Lymphom und Leukämie…

Morgen Vormittag soll ich wieder anrufen…

Eigentlich habe ich im Moment nur einen Wunsch: Jill soll nicht leiden.  Doch allein, wenn ich daran denke, kullern schon wieder die Tränen….

Ich weiß inzwischen, dass der Abschied naht, doch nie hätte ich gedacht, wie schwer es mir fallen wird….

Gute zwei Wochen habe ich nun imWohnzimmer auf der Couch geschlafen, damit sich Jill nicht die Treppen  hoch quälen muss. Mühsam erledigte ich in dieser Zeit meine Aufgaben als Webmaster mit dem kleinen Laptop,…..

.. und gern würde ich dies fortsetzen, wenn ich damit unsere gemeinsame Zeit verlängern könnte..

….doch nun sitze ich heute Abend seit langer Zeit wieder  mal im 2. OG, doch das Hundebett neben meinem Schreibtisch ist leer…

Was mich morgen erwartet, weiß ich noch nicht, doch ich habe Jill immer versprochen, dass ich bei ihr sein werde, wenn sie einmal geht….. Auch, wen es unheimlich schwer sein wird, doch bis zum letzten Moment soll sie spüren, dass ich bei ihr bin und wie lieb ich sie habe. Jill hat mir über  9 Jahre ihre bedingungslose Treue gezeigt….

…und obwohl sie derzeit noch in der Klinik ist, wo sie gut versorgt wird, kommen mir dennoch ständig die Tränen…..