Arzt

Berufung – wozu?

 

Heute Mittag fuhr ich kurz zum Bäcker…

Diesen könnte ich in 15 Minuten auch gut zu Fuß erreichen, doch ein früherer Freund und Kollege sagte mal zu mir: „ein Kraftfahrer läuft maximal 60 Meter am Tag“…. Doch auch ohne diesen Spruch bin ich ja schon immer fußfaul…*grins*

Der Bäckerladen war leer, und ich wurde sofort bedient, doch während die Bedienung die Brötchen einpackte, kam eine alte Dame in den Laden und erkundigte sich nach der Arztpraxis nebenan. So hörte ich, dass der Arzt  nebenan nur Privatpatienten behandelt. Die Bedienung fragte dann die Frau, ob sie denn privat krankenversichert ist. Die alte Dame verneinte und schaute traurig… Ich stand daneben, konnte kaum glauben, was ich da gerade hörte, doch wollte mich nicht ungefragt in ein fremdes Gespräch einmischen.

Es ist mir ja nicht ganz unbekannt, dass Ärzte mit der Behandlung von Privatpatienten besser verdienen, als mit gesetzlich Versicherten. Auch mein Lebensgefährte Norbert ist ja (als Beamter) privat versichert, doch gehört nicht zu den Leuten, die das als Privileg ansehen – eher im Gegenteil – denn Norbert regt sich immer wieder darüber auf, dass im Gesundheitswesen derartige Klassenunterschiede gemacht werden.

Da Norbert nicht bei jedem Zipperlein zum Arzt geht, sondern immer so lange wartet, bis gar nichts mehrt geht, habe ich ihn bisher nur wenige Male bei Arztbesuchen begleiten können. Doch immer fiel mir auf , dass er trotz vollem Wartezimmer immer als nächster aufgerufen wurde, was Norbert jedoch fast schon peinlich war…

Doch nun gibt es offensichtlich Ärzte, die wirklich nur noch Privatpatienten behandeln… Warum haben solche Ärzte einmal Medizin studiert? Wollten sie Menschen helfen oder nur gut verdienen? Darüber mag sich sich jeder seine eigene Meinung bilden…

 

Heute…

…wurde Norberts Mutter vom Krankenhaus auf eine geriatrische Reha-Station verlegt. Sie war sehr aufgeregt, und so war ich gegen 9:30 Uhr bei ihr, um ihre Sachen zu packen, aber Pfleger und Schwestern hatten dies bereits erledigt. Zwischen 10 und 12 Uhr sollte Norberts Mutter vom Krankentransport abgeholt werden, doch nur kurze Zeit nach meinem Eintreffen war der Transport schon da.

Die geriatrische Reha-Klinik ist nicht weit entfernt. Ich fuhr also mit meinem Auto auch dorthin. Doch fast eine halbe Stunde kurvte ich in der Gegend herum, bis ich endlich einen Parkplatz fand, denn diese Klinik hat kein Parkhaus wie das Virchow-Klinikum, und der Pförtner öffnet die Schranke nicht für Privatfahrzeuge…*stöhn* Da erinnerte ich mich an die Zeit, als ich noch berufstätig war und mit meinem Behindertenfahrzeug überall eingelassen wurde, denn auch diese Klinik habe ich damals sehr oft angefahren.

Als ich endlich auf Station ankam und das neue Krankenzimmer betrat, plumpste Norberts Mutter ein großer Stein vom Herzen, denn sie hatte kaum noch mit mir gerechnet. Ein Sozialarbeiter hatte sich schon mit ihr unterhalten und verabschiedete sich gerade, als ich kam. Norberts Mutter war in einem 4-Bett-Zimmer „gelandet“ und ziemlich deprimiert. Als ihr dann die Tränen kamen, tröstete ich sie. Ich räumte ihre Sachen aus er Reisetasche in den Schrank, besorgte ihr ein Telefon und blieb noch eine ganze Weile….

Nachdem ich mich von meiner Schwiegermama verabschiedete, lief ich den weiten Weg zu meinem Auto, und als ich losfuhr, freute sich bereits ein anderer Autofahrer über den frei werdenden Parkplatz… und so machte ich mich auf den Heimweg…

Nur zwei Ecken weiter kam ich am Büro meines ehemaligen Arbeitgebers – der AWO –  vorbei… Der Roller meiner ehemaligen Chefin stand vor der Tür, und es gab es sogar eine Parklücke… 🙂

Kurzentschlossen parkte ich ein, um nach einigen Jahren einfach mal guten Tag zu sagen…. Dass meine ehemalige Chefin durch meinen unverhofften Besuch überrascht sein wird, hatte ich mir ja schon gedacht, aber wie sehr sie sich freute, als ich unerwartet in ihrem Büro auftauchte, hat meine Erwartungen dann mehr als nur übertroffen. Wir konnten schon früher sehr gut miteinander, hatten uns auch oft über private Dinge unterhalten….. So fragte sie mich heute auch nach Jill, die sie während der Versammlung (einen Tag vor Janas Tod) kennenlernte, als ich sie damals dabei hatte. Auch sie musste sich von einem kranken Hund verabschieden, konnte also nachvollziehen, wie sehr ich Jill vermisse…Jedoch hat sie mir eins voraus, denn sie hat bereits Trost mit einem neuen Hund gefunden, von dem sie mir ausführlich berichtete…

Ich habe zwar während meines spontanen Besuchs nicht auf die Uhr geschaut, doch aufgrund der vielen Dinge, die wir uns gegenseitig erzählten,schätze ich mal, dass ich eine gute halbe Stunde mit meiner ehemaligen Chefin geschwatzt habe.

Irgendwie tat mir diese Begegnung heute sehr gut, denn seit meiner Berentung vor über 4 Jahren bin ich ja wirklich nur noch Hausfrau, und meine Kontakte  beschränken sich lediglich auf die Familie und einige Internet-Kontakte. Da tut es doch einfach nur gut, wenn man mal auf Leute trifft, mit denen man früher beruflich zu tun hatte, und wenn diese sich dann so sehr über ein Wiedersehen freuen, dann ist das für mich ein echtes Highlight. Zugleich macht es mich aber auch traurig, dass ich nicht mehr so kann wie früher…

 

Einige Tage…

….sind nun wieder ins Land gegangen…

Seit Anfang der Woche kommen täglich Physiotherapeuten zu Norberts Mutter und üben mit ihr das Laufen. Nachdem sie es am Montag vom Bett zur Zimmertür und zurück schaffte, kam sie mir bei meinem gestrigen Besuch auf dem Flur entgegen. Das hört sich zwar gut an, aber trotz Rollator mussten sie zwei Therapeuten zusätzlich stützen, denn es war für Norberts Mutter nicht nur eine große Kraftanstrengung, sondern sie hat natürlich auch Angst nochmals zu stürzen. Kommende Woche wird sie vom Krankenhaus auf eine geriatrische Reha-Station verlegt, wo sie sicher noch mehr physiotherapeutische Behandlungen bekommt. Nun muss man abwarten, wie lange sie dort bleiben muss, aber wir denken auch darüber nach, was danach wird, denn Hilfe wird sie auf jeden Fall brauchen…

Mehrmals wurde ich inzwischen gefragt, ob ich den Sendetermin im MDR schon weiß. Anfang der Woche rief mich der Redakteur an, weil er noch eine Frage hatte. Dabei versprach er mir nochmals, dass er mich sofort informiert, wenn der Sendetermin feststeht, und ich werde dies dann hier zeitnah ankündigen.

Nach den ernsten Themen gibt es aber auch wieder etwas zum Schmunzeln. Heute habe ich nochmals Jills Züchter angerufen, denn auf seiner Homepage steht nun nicht mehr, dass er den nächsten Wurf zum Herbst plant, sondern er kündigt ihn für Ende Oktober an…*freu* Die so genannten Stehtage der heißen Hündin sind jetzt vorbei, und Uwe erzählte mir, dass der Rüde wieder richtig „fleißig“ war, weil er diese Hündin anscheinend richtig liebt 🙂 Ja, und nun werde ich mich über jede Woche freuen, die ich im Kalender abhaken kann…

…und die Katzen in unserer Gegend scheinen inzwischen bemerkt zu haben, dass bei uns auf dem Grundstück zurzeit keine Gefahr zu erwarten ist. So erschrak ich heute richtig, als ich vormittags in der Küche putzte, während die Tür zur Küchenterrasse offen war, denn plötzlich war da eine hübsche schwarze Katze mit weißem Latz und weißen Pfoten. Sie saß vor den zwei Stufen und schaute mich an, als wollte sie mich fragen, ob sie hereinkommen darf. Früher lag Jill auf dieser kleinen Terrasse, wenn ich die Tür offen hatte… und als Norbert heute Nachmittag den Rasen mähte, spazierte die braune Katze durch unseren Garten, die neulich ganz frech über mein Auto lief…

Obwohl ich froh bin, dass Jill nicht mehr leiden muss, doch ihr Verlust schmerzt immer noch sehr. Als ich gestern Abend auf meiner Homepage den Text auf Jill’s Seite überarbeitete, kullerten wieder viele Tränen, denn ich hatte erneut vor Augen, wie schlecht es meinem Schneckchen zuletzt ging. So schwanke ich weiterhin zwischen Trauer und Vorfreude….

..und suche oft nach Ablenkung. Am Computer gelingt mir das am ehesten. Zurzeit habe ich ein Spiel, das mich nicht nur ablenkt, sondern fast schon süchtig macht…*schmunzel* Gleichzeitig habe ich aber auch angefangen, meine private Homepage wieder einmal neu zu gestalten… Auf der neuen HP wird Jill ihren Platz behalten, denn sie lebt in der Erinnerung weiter, doch ich werde auch schon Seiten für unser neues Familienmitglied vorbereiten…. und so sitze ich gefühlsmäßig auch dabei ständig auf einer Wippe….

 

Die Sorgen nehmen kein Ende

Vor knapp zwei Wochen war ich unheimlich froh, dass Jill ihre OP gut überstanden hat, doch normal gefressen hat sie seitdem immer noch nicht. Auch meine „erzieherischen Maßnahmen“ brachten nicht den gewünschten Erfolg, denn das nur kurzeitige Futterangebot  „funktionierte“ lediglich einen Tag…

Darum machen wir uns jeden Tag mehr Sorgen… Noch vor einigen Wochen machte mich Physiotherapeutin Nicole darauf aufmerksam, dass mein Schneckchen etwas zuviel auf den Rippen hat, doch inzwischen ist Jill so dünn geworden, dann man ihre Wirbelsäule nicht nur fühlen, sondern auch sehen kann.

Jill trinkt zwar sehr oft und viel, aber der Futternapf  daneben bleibt unberührt…  Wirbelsäule und Schulterknochen sind deutlich sichtbar….

Der Züchter von Jill sagte einmal, dass noch nie ein Hund vor einem vollen Napf verhungert ist, doch langsam habe ich den Eindruck. dass Jill diesem Ausspruch trotzen will…

….und da ich mir nicht mehr zu helfen weiß,  habe ich vorhin beschlossen, Jill nun zwangsweise mit ihrem Futter zu ernähren. Dann habe ich ihr Futter mit einem Stabmixer püriert, den Brei mit etwas Wasser verdünnt und per Spritze (genauso wie die Astronautennahrung) verabreicht. Im Moment weiß ich noch nicht wie es weitergehen wird, denn meine Angst um Jill wird erst vergehen, wenn sie wieder „normal“ fressen wird…

..auch Jill’s Gesicht ist sehr schmal geworden…

Dummer Hund? Denkste!!!

Von meinem Rücken lohnt es kaum noch zu berichten, denn ich fühle mich jeden Tag besser und bin so gut wie beschwerdefrei.

So gibt es also momentan nur noch ein Sorgenkind, und das ist Jill… Vorgestern (am Montag) machte ich mir so große Sorgen, dass ich sie wegen ihrer Futterverweigerung vorzeitig noch einmal beim Tierarzt vorstellte, denn eigentlich sollten wir erst morgen oder am Freitag zum Fäden ziehen kommen.

Jill wurde noch einmal untersucht und geröntgt.  Auf dem Röntgenbild sah man, dass der Darm halbwegs gefüllt war, doch man konnte eine Verstopfung nicht ausschließen. Darum bekam sie zur Stärkung nochmals eine Infusion und dann eine Spritze, falls sie Bauchkneifen hat… und dann sollte ein Einlauf folgen… doch man machte mich vorsichtshalber auch darauf aufmerksam, dass eine Heimfahrt im Auto dann sehr heikel werden könnte , und so hatte ich ein Problem..

Aber dieser Einlauf war nur eine kleine Flasche, die man in den Anus steckt und ausdrückt… So nahm ich diese Flasche mit und gab Jill den Einlauf dann zu hause…. und auf die Wirkung musste ich auch nicht lange warten…

Die Wirkung des Einlaufs hielt auch gestern noch an, doch Jill entleerte sich immer nur im Garten in ihrer Gassi-Ecke. Aber ihr Futter rührte sie immer noch nicht an….

Als ich heute Vormittag auch wieder für meine Mum einkaufte, kam ich auf die Idee, für Jill Hühnchen und Reis zu kochen. So etwas bekam sie mal als Diät und frass es sehr gern. Das tat ich dann auch, lies es abkühlen und setzte es Jill vor. Meine Schnecke frass sofort, und ich hätte vor Freude am liebsten einen Luftsprung gemacht.

Gute zwei Stunden später kam wieder Hundephysiotherapeutin Nicole auf einen Kaffee vorbei, da sie zuvor in der Nähe zu tun hatte. Begleitet wurde sie von Mogli, ihrem kleinen Jack Russel…

Die Hunde erkannten sich wieder und beschnüffelten sich. Nicole bat mich, ihr etwas von Jill’s „normalem“ Futter zu geben, also dem noch nicht eingeweichten Trockenfutter, welches mir Jill derzeit nicht abnimmt….

Nicole reichte ihrem Hund das Futter, er nahm es an, doch spuckte es dann wieder aus…. und Jill – ganz aufgeregt vor Futterneid – wollte auch etwas haben. Nicole gab also auch Jill von dem Futter, welches meine Schnecke regelrecht verschlang und nach jedem Krümel sofort um das nächste bettelte…

Ich traute meinen Augen kaum und fragte mich, ob das wirklich mein Hund ist oder Nicole übernatürliche Kräfte hat … 😉

Nicole ist ja nicht nur Hundephysiotherapeutin, sondern auch Verhaltenstherapeutin…

Doch dann erklärte sie mir, dass Jill mich über das Futter „manipuliert“. Ihr Test mit dem Futterneid hat das ja auch bestätigt. Ich muss eingestehen, dass ich durch meine Angst und Sorge alles getan habe, dass Jill frisst, doch sie konnte sich dadurch aussuchen, was sie mag und was nicht…

Nicole gab mir noch einige Tipps, und nun hoffe ich, dass es mit der Umsetzung auch klappen wird. Mal sehen, was der morgige Tag bringt, an dem auch die Fäden gezogen werden….