Operation

Auch zwei Wochen….

…nach dem Abschied von Jill kann ich mich immer noch nicht an die Ruhe hier im Haus gewöhnen, wie auch, denn nach 9 gemeinsamen Jahren mit meiner süßen Schnecke kann man nicht einfach einen Schalter betätigen und alles „ausschalten“….doch immer noch verhalte ich mich dennoch, als wäre Jill noch da…

Gestern und heute klingelte bei uns der Postbote am Gartentor, doch genau in diesen Momenten wurde mir jedes Mal klar, dass nicht s mehr so ist wie früher… „Normal“ war in den letzten Jahren, dass Jill bellte, wenn es klingelte und dann ganz aufgeregt zur Gartentür lief,  sobald ich die Tür zur Küchenterrasse öffnete… Oft habe ich mit ihr geschimpft, weil sie so drängelte, doch sicher auch, weil ich den „Wettlauf“ zum Gartentor ohnehin immer verloren habe  😉 Heute vermisse ich diese Momente…

Nach 9 Jahren gibt es eben unendlich viele Erinnerungen, doch besonders eindrucksvoll waren so auch die Wochen nach Jill’s schwerer Bandscheiben-OP Anfang letzten Jahres. Sie war durch die Lähmung und die Inkontinenz anfangs ein Pflegefall, doch kämpfte sich ins normale Leben zurück. …

Es gab Momente, in denen ich an meiner Entscheidung zur OP zweifelte, doch als die Physiotherapie von  Nicole  so gute Ergebnisse zeigte, war ich mir sicher, das ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Jill wurde wieder zu einem Hund, dem man ihre Krankengeschichte kaum noch ansah. Darüber war ich unheimlich glücklich, und aus heutiger Sicht freue ich mich vor allem, dass sie nach dieser OP noch eineinhalb glückliche Jahre hatte…

Nein, Jill’s Platz in meinem Herzen und die Erinnerungen an sie bleiben…,

…..und selbst ein drolliger Welpe, der uns vielleicht über den Verlust hinweghelfen wird,  wird die Erinnerungen an mein Schneckchen nicht auslöschen, und das ist auch gut so….

Jill’s Züchter plant zurzeit den nächsten Wurf… und wir sind im telefonischen Kontakt….

 

Eine Woche ohne Jill…

Wenn man sich für ein Tier entscheidet, weiß man eigentlich, welche Lebenserwartung dieses Geschöpf hat und dass man nur eine begrenzte Zeit miteinander verbringen kann. Doch das ist trockene Theorie, denn vor 9 Jahren konnte ich mir nicht mal ansatzweise vorstellen, wie schwer der Abschied sein wird. So ein Tier wird zu einem Familienmitglied… Man zieht es auf, bringt ihm einiges bei und sogt sich, wenn es ihm nicht gut geht. Belohnt wird man mit bedingungsloser Treue und Zuneigung….. und möchte sein Tier darum auch nie leiden sehen….

Vielleicht ist  das aber auch genau der Punkt, warum ich so traurig bin. Unser Tierarzt hat zwar die vereiterte Gebärmutter (Pyometra) bei Jill erkannt, doch nicht den Blutkrebs. So frage ich mich natürlich, ob man Jill nicht die OP der Kastration hätte ersparen und sie eher hätte erlösen können. Immer wieder sehe ich mein Schneckchen vor mir, wie sie röchelte, doch dann ganz friedlich einschlief, während ich sie streichelte…

….und es wird sicher noch eine ganze Weile dauern, bis ich mich daran gewöhne, dass sie mir nicht mehr auf Schritt und Tritt hinterher läuft…

 

Abschied….?

Meine Gedanken fahren Achterbahn….

Gestern waren wir nochmals beim Tierarzt, weil Jill immer noch nicht frisst. Sie bekam nochmals eine Infusion und einen Vitamin-Cocktail gespritzt. Da ihr Bauch angespannt und verhärtet war, bekam ich nochmals ein Klistier (Einlauf) mit, den ich ihr dann zu hause verabreichte. Doch obwohl sich Jill’s Darm daraufhin auch gut entleerte und ich hoffte, sie wurde nicht munterer, sondern immer apathischer. Sie lief nicht mehr munter im Garten in ihre Gassi-Ecke, sondern lief langsam, und ich hatte immer mehr das Gefühl, dass ihr jeder Schritt schwer fällt…

Meine Sorgen wurden dadurch natürlich nicht  weniger,,,,,

Heute besuchte uns am späten Vormittag wieder Hundephysiotherapeutin Nicole, und sie war echt erschrocken, als sie sah, wie dünn Jill geworden ist. Nicole hatte ihren Hund Mogli (ein Jack Russel) dabei, doch auch ihre Versuche, Jill nochmals per Futterneid zum Fressen zu bewegen, schlugen fehl. Jill nahm nicht einmal mehr die leckeren Entenfilet-Streifen, für die sie sonst ganz aufgeregt Pfötchen hob. Auch für Mogli interessierte sie sich kaum noch und legte sich unter den Küchentisch.

Da war sogar Nicole ratlos…

…aber sie riet mir auch, auf jeden Fall Jill heute noch einmal beim Tierarzt vorzustellen, denn Jill’s Bauch erschien ihr aufgebläht, und sie empfahl, dass nochmals ein Ultraschall gemacht wird.

So rief ich beim Tierarzt an, doch musste leider erfahren, dass der Doktor mittwochs nicht da ist und die Ärztin erst im September einen Lehrgang für Ultraschal-Diagnostik macht. Sie empfahl mir in die Tierklinik zu fahren, was wir dann auch taten.

Wir haben von unserem Wohnsitz aus zwei Möglichkeiten: die Tierklinik der FU Berlin oder die Tierklinik in Potsdam. Wir entschieden uns für Potsdam, zumal diese Klinik einen sehr guten Ruf hat.

Nachdem wir einer sehr netten Tierärztin Jill’s Krankheitsverlauf geschildert hatten, rief ich mit meinem Handy in unserer hiesigen Tierarztpraxis an und übergab der Ärztin das Telefon, damit sie noch notwendige Details abfragen konnte. Danach untersuchte sie Jill sehr gründlich, doch bemerkte auch sofort, in welch bedrohlichem Zustand sich Jill befindet. Jill’s Temperatur war leicht erhöht, ihr Zahnfleisch zu hell (was rosa sein müsste), und beim Abtasten stellte die Ärztin fest, dass mehrere Lymphknoten vergrößert sind… und dann musste ich unterschreiben, dass Jill über Nacht in der Klinik bleibt, weil man Blutuntersuchungen machen will, sie dann aber auch über Nacht an eine Venentropf anschließen würde.

Gegen 20 Uhr sollte ich anrufen und nachfragen… doch schon vorher klingelte mein Telefon, denn das Ergebnis des Blutbilds ist alles andere als beruhigend… Die Leukozyten sind extrem hoch und die Leberwerte sehr schlecht. Nach dem Telefonat kullerten bei mir die Tränen…

…..und gegen 22 Uhr sollte ich dann nochmals anrufen, wenn noch der Ultraschall gemacht wurde… aber auch dieses Telefonat brachte keine Erleichterung…

…und wie in Trance hörte ich mir an, was man festgestellt hat…. Immer wieder hörte ich Begriffe wie bösartig, Lymphom und Leukämie…

Morgen Vormittag soll ich wieder anrufen…

Eigentlich habe ich im Moment nur einen Wunsch: Jill soll nicht leiden.  Doch allein, wenn ich daran denke, kullern schon wieder die Tränen….

Ich weiß inzwischen, dass der Abschied naht, doch nie hätte ich gedacht, wie schwer es mir fallen wird….

Gute zwei Wochen habe ich nun imWohnzimmer auf der Couch geschlafen, damit sich Jill nicht die Treppen  hoch quälen muss. Mühsam erledigte ich in dieser Zeit meine Aufgaben als Webmaster mit dem kleinen Laptop,…..

.. und gern würde ich dies fortsetzen, wenn ich damit unsere gemeinsame Zeit verlängern könnte..

….doch nun sitze ich heute Abend seit langer Zeit wieder  mal im 2. OG, doch das Hundebett neben meinem Schreibtisch ist leer…

Was mich morgen erwartet, weiß ich noch nicht, doch ich habe Jill immer versprochen, dass ich bei ihr sein werde, wenn sie einmal geht….. Auch, wen es unheimlich schwer sein wird, doch bis zum letzten Moment soll sie spüren, dass ich bei ihr bin und wie lieb ich sie habe. Jill hat mir über  9 Jahre ihre bedingungslose Treue gezeigt….

…und obwohl sie derzeit noch in der Klinik ist, wo sie gut versorgt wird, kommen mir dennoch ständig die Tränen…..

 

Die Sorgen nehmen kein Ende

Vor knapp zwei Wochen war ich unheimlich froh, dass Jill ihre OP gut überstanden hat, doch normal gefressen hat sie seitdem immer noch nicht. Auch meine „erzieherischen Maßnahmen“ brachten nicht den gewünschten Erfolg, denn das nur kurzeitige Futterangebot  „funktionierte“ lediglich einen Tag…

Darum machen wir uns jeden Tag mehr Sorgen… Noch vor einigen Wochen machte mich Physiotherapeutin Nicole darauf aufmerksam, dass mein Schneckchen etwas zuviel auf den Rippen hat, doch inzwischen ist Jill so dünn geworden, dann man ihre Wirbelsäule nicht nur fühlen, sondern auch sehen kann.

Jill trinkt zwar sehr oft und viel, aber der Futternapf  daneben bleibt unberührt…  Wirbelsäule und Schulterknochen sind deutlich sichtbar….

Der Züchter von Jill sagte einmal, dass noch nie ein Hund vor einem vollen Napf verhungert ist, doch langsam habe ich den Eindruck. dass Jill diesem Ausspruch trotzen will…

….und da ich mir nicht mehr zu helfen weiß,  habe ich vorhin beschlossen, Jill nun zwangsweise mit ihrem Futter zu ernähren. Dann habe ich ihr Futter mit einem Stabmixer püriert, den Brei mit etwas Wasser verdünnt und per Spritze (genauso wie die Astronautennahrung) verabreicht. Im Moment weiß ich noch nicht wie es weitergehen wird, denn meine Angst um Jill wird erst vergehen, wenn sie wieder „normal“ fressen wird…

..auch Jill’s Gesicht ist sehr schmal geworden…

…und wieder zum Doktor…

Heute Vormittag war es nun soweit… zu Beginn der Sprechstunde um 10 Uhr fuhr ich mit Jill wieder zum Tierarzt, denn 10 Tage nach der OP sollten heute die Fäden gezogen werden.

Zeitgleich mit mir kam ein Mann mit einer Katzenbox in die Praxis, die er dem Personal übergab. Ihm wurde gesagt, dass er ab 16 Uhr anrufen kann. Diesen Satz hörte ich vor 10 Tagen auch… Das Gesicht des Mannes war sehr traurig, und mit gesenktem Kopf verlies er die Praxis. Ich konnte so sehr nachfühlen, wie ihm zumute war…

..und dann wurden wir auch schon ins Sprechzimmer gebeten. Obwohl Jill sich anfangs wieder sehr wehrte, musste sie auf der Seite liegen. Die Ärztin hielt sie fest, aber dann blieb Jill ruhig, während der Arzt die Fäden entfernte. Der Tierarzt war sehr zufrieden mit dem Heilungsprozess. Das von mir „geschneiderte“ T-Shirt musste auch nicht mehr angelegt werden, denn selbst, wenn sich Jill jetzt die Narbe ablecken würde, wäre es nicht mehr schlimm.

Nachdem Jill wieder „auf freiem Fuss“ war, lief sie im Arztzimmer auf und ab, und der Tierarzt äußerte, dass sie schon wieder einen wesentlich besseren und vor allem mobileren Eindruck macht. Wir unterhielten uns noch eine Weile, und so erfuhr ich auch, welche Vorteile eine frühzeitige Kastration bei Hündinnen hat  (wenn man nicht züchten möchte) und welche Erkrankungen man dadurch ausschließen kann.

Das war für mich sehr informativ, doch ich erfuhr auch, dass Jill ohne diese OP in absehbarer Zeit gestorben wäre. So mache ich mir natürlich Vorwürfe, dass ich nicht schon Ende April mit ihr beim Tierarzt war, als ihre Läufigkeit so extrem lange dauerte, denn das war bereits ein Signal…

Im Laufe des Tages fiel mir dann ebenso auf, dass Jill wieder etwas aufgeweckter ist. Nach dem Ablegen der Halskrause nun auch kein „T-Shirt“ mehr, und auch die Fäden im Bauch sind weg. Sie wird wieder neugieriger und liegt nicht mehr den ganzen Tag auf der Decke, als wäre ihr alles egal….

…und obwohl es mir nicht allzu leicht fällt, scheint Konsequenz wirklich zu helfen, um Jill zum Fressen zu bewegen. Heute früh stellte ich ihr den Futternapf mit Hühnchen und Reis hin, doch nachdem sie gestern mit Freude davon gefressen hat, ignorierte sie das leckere Futter. Ich bettelte nicht, dass sie doch fressen soll und lies den Napf auch nicht stehen (wie sonst), sondern nahm ihn nach einer Minute wieder weg. Gegen Mittag stellte ich ihr den Napf noch einmal hin, und siehe da, Jill frass. Als sie mit dem Fressen aufhörte, nahm ich den Napf wieder weg, obwohl er noch nicht leer war.

Wie mir Hundephysiotherapeutin Nicole erzählte, gab es bei Bekannten von ihr neulich einen ähnlichen Fall, wo der Hund sein Frauchen und Herrchen durch Futterverweigerung auch regelrecht manipulierte, denn man sorgte sich, und so bekam Hundchen natürlich mehr Aufmerksamkeit 😉 Als man dem Hund dann konsequent auch nur kurzzeitig das Futter vorsetzte, gab er nach drei Tagen auf  und frisst seitdem wieder normal…

Da soll mal jemand sagen, dass Tiere dumm sind…

…und mal sehen, ob Jill morgen schon vom heutigen Tag gelernt hat, denn zurzeit gibt es zwischendurch auch keine Leckerlis. Das klingt zwar hart, doch es wäre ja kontraproduktiv…. Jill muss nun langsam wieder zu Kräften kommen, da sie ja mittlerweile fast drei Wochen kaum etwas gefressen hat und auch sehr dünn geworden ist….

…aber es gibt auch noch etwas zum Schmunzeln…

Seit etwa einem Monat verliert Jill hier im Haus eigentlich keine „Knödel“ mehr, sondern erledigt ihr großes Geschäft wirklich nur noch im Garten in ihrer Gassi-Ecke. Doch gestern und heute passierte es mehrmals, dass mir ein relativ „bekannter“ Geruch in die Nase stieg… Ich griff schon zur Haushaltrolle, um damit ein „Knödelchen“ zu entsorgen, doch Jill schlief auf ihrer Decke und ich fand nichts. Nachdem sich das irgendwann mal wiederholte, war mir klar, dass Jill anscheinend gepupst hatte…

…und da kamen auch wieder Erinnerungen in mir hoch… Auch Janas Rottweiler Jeannie hat manchmal heimlich still und leise eine „Duftmarke“ abgelassen… Man hatte dann das Gefühl, als fallen gleich alle Fliegen von der Wand, und Jana hielt sich jedes Mal beide Hände vor das Gesicht, schimpfte mit Jeannie, doch konnte sich vor Lachen kaum halten. Ich sehe es vor mir, als wäre es gestern gewesen….